Dies & Das

Noch mehr im Kasten

Chirurgen greifen zum Skalpell, Gynäkologen zum Ultraschall. Doch womit arbeiten eigentlich Psychiater?

Der Blick in ihren Werkzeugkasten zeigt: Wie alle anderen Ärzte auch nutzen sie anerkannte wissenschaftliche Instrumente und Verfahren. Die DGPPN stellt die Wichtigsten vor – und räumt mit längst überholten Klischees auf.

Stethoskop

Als Fachärzte betrachten Psychiater den Menschen ganzheitlich – von Kopf bis Fuß und von innen und außen. Sie befassen sich mit allen Gesundheitsstörungen, die Gefühle, Denken, Stimmungen, Gedächtnis und das eigene Erleben, aber auch Verhalten betreffen. Bei psychischen Erkrankungen können genetische und biologische Faktoren eine Rolle spielen, aber auch die persönliche Lebensgeschichte, das soziale Umfeld wie Partner, Freunde, Familie, die Arbeits- oder Lebenssituation. Psychiater arbeiten sozusagen an der Schnittstelle von Körper und Seele.

Interkulturelle Kompetenz

Multikulti ist heute Realität: Deshalb müssen sich Psychiater sich auch in andere Kulturen eindenken können. Menschen mit Migrationshintergrund bilden keine homogene Bevölkerungsgruppe. Sie sind aus unterschiedlichsten Gründen aus über 190 verschiedenen Ländern nach Deutschland gekommen. Vertreten sind alle Altersgruppen und Bildungsstatus. Wenn Migranten psychisch erkranken, benötigen sie daher eine psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung, die sich auf ihre besondere Lebenssituation einstellt. So wird professionelle interkulturelle Kompetenz von Ärzten, Therapeuten und Pflegenden immer wichtiger.

Psychoedukation

Psychoedukation hilft den Patienten, Erkrankung und Therapie besser zu verstehen. Psychoedukation ist ganz allgemein der Versuch, komplizierte medizinisch-wissenschaftliche Fakten so zu übersetzen, dass sie von betroffenen Patienten und deren Angehörigen gut verstanden werden. Dadurch soll den Patienten und ihren Angehörigen geholfen werden, die wichtigsten Informationen über die Erkrankung und die erforderlichen Behandlungsmaßnahmen begreifen und nachvollziehen zu können. Das Verstehen-Können der eigenen Erkrankung ist die Grundvoraussetzung für den selbstverantwortlichen Umgang mit der Erkrankung und ihre erfolgreiche Bewältigung.

Liquordiagnostik

Beim Verdacht auf bestimmte psychische Erkrankungen kann es notwendig sein, die Nervenflüssigkeit zu untersuchen. In eher seltenen Fällen ist eine Lumbalpunktion (Liquordiagnostik), d.h. eine Analyse des Nervenwassers (Liquor), notwendig. Dabei entnimmt der Arzt mit einer feinen Nadel etwas Flüssigkeit aus dem Rückenmarkskanal. Diese Untersuchung wird durchgeführt, wenn eine Gehirn- oder Gefäßentzündung vermutet wird und andere diagnostische Verfahren keine Klarheit gebracht haben. Sie kann aber auch erforderlich werden, wenn der Verdacht auf eine Blutung zwischen Gehirnoberfläche und Hirnhaut besteht und diese durch eine Computertomografie nicht nachgewiesen werden konnte.

Blutprobe

Blutuntersuchungen helfen, körperliche Ursachen von psychischen Symptomen aufzudecken.

Beziehung/Vertrauen

Die vertrauensvolle therapeutische Beziehung ist das Fundament jeder Behandlung. Jeder Mensch ist anders und bringt eine neue Geschichte mit. Allerdings begegnen Psychiater Menschen besonders intensiv. Im Unterschied zu anderen medizinischen Fachgebieten ist es wichtig, sich intensiv auf die Beziehung mit den Betroffenen einzulassen. Das ist das A und O für eine erfolgreiche Behandlung.

 

Dies sind längst nicht alle Werkzeuge des Psychiaters. Mehr Werkzeuge haben wir in Teil 1 zusammengestellt. Noch mehr Informationen zu Diagnostik und Therapie psychischer Erkrankungen sind auf dem Portal www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org zu finden.