Dies & Das

Eine Menge im Kasten

Chirurgen greifen zum Skalpell, Gynäkologen zum Ultraschall. Doch womit arbeiten eigentlich Psychiater?

Der Blick in ihren Werkzeugkasten zeigt: Wie alle anderen Ärzte auch nutzen sie anerkannte wissenschaftliche Instrumente und Verfahren. Die DGPPN stellt die Wichtigsten vor – und räumt mit längst überholten Klischees auf.

Sprechen

Im therapeutischen Gespräch erkennen Patienten krankmachende Ursachen und üben neue Verhaltensmuster. Psychiater behandeln psychische Erkrankungen vor allem mit unterstützenden Gesprächen, Psychotherapie und medikamentösen Therapie. Dabei geht es vor allem darum, eine vertrauensvolle Beziehung mit dem Patienten zu schaffen, mit ihm zu fühlen, zu denken und im Gespräch zu klären, welche Konflikt- und Stressfaktoren ihn belasten. Dabei kommen unterschiedliche Techniken zum Einsatz.

Zuhören

Psychiater müssen ganz genau zuhören, um herauszufinden, was ihren Patienten fehlt. Das psychiatrische Gespräch findet in der Regel in Form eines halbstrukturierten Interviews statt und setzt sich quasi aus zwei Teilen zusammen: Im ersten Teil stehen die spontanen Äußerungen des Patienten im Vordergrund und der Psychiater lässt sich bei der Themenwahl davon leiten. Der Betroffene erhält die Gelegenheit sich selbst mitzuteilen und seine Beschwerden, Sorgen und Ängste darzustellen. Gleichzeitig gewinnt der behandelnde Psychiater Einblick in die Persönlichkeit, die Lebensgeschichte, den kulturellen und gesellschaftlichen Hintergrund sowie die derzeitigen Lebensumstände des Patienten. Im zweiten Teil gibt der Psychiater dem Gespräch durch gezieltes Nachfragen (Exploration) eine bestimmte Richtung, um wichtige Informationen zu psychischen Störungen und deren mögliche Ursachen zu erhalten.

Couch

Ob mit oder ohne Couch: Die Psychotherapie ist für Psychiater ein zentrales Werkzeug, um ihre Patienten zu behandeln. Die Psychotherapie spielt neben der medikamentösen Therapie eine zentrale Rolle in der Behandlung von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen. Sie ist ein bewusster, geplanter Prozess zwischen Patienten und Psychotherapeuten, um psychisches Leid zu lindern bzw. zu heilen, seelische sowie zwischenmenschliche Konflikte zu bewältigen und um Verhaltensstörungen zu beeinflussen. Die Psychotherapie arbeitet mit psychologischen Mitteln, die im Erleben und Verhalten ihren Ansatzpunkt haben, im Mittelpunkt steht die verbale und nonverbale Kommunikation. Das Ziel der meisten psychotherapeutischen Verfahren mit kommunikativen und übenden Techniken besteht darin, dem Patienten Strategien zur Bewältigung von Problemen aufzuzeigen, ihm Handlungskompetenz zu vermitteln und sein Selbstvertrauen aufzubauen. Das Grundprinzip ist vereinfacht ausgedrückt die Behandlung der Patienten durch Gespräche oder Übungen. Die Methoden sind vielfältig, es gibt u.a. einzel- und gruppentherapeutische Maßnahmen.

Bildgebung

Bildgebende Untersuchungen helfen dem Psychiater dabei, das Störungsbild ganz genau einzuordnen. Mit der Hirnbildgebung zum Beispiel können psychische Erkrankungen besser verstanden und zum Teil sogar vorhergesagt werden. Was bei psychisch Erkrankten in verschiedenen Hirnarealen passiert und inwiefern diese anders zusammenarbeiten wird mittels funktioneller Magnet-Resonanz-Tomografie, kurz fMRT, sichtbar.

Klassifikation

International anerkannte Diagnosesysteme ordnen psychische Krankheiten nach ihren Symptomen. Psychiatrische Diagnosen werden heute aufgrund internationaler Übereinkünfte gestellt – zunächst ohne dass damit etwas über die Ursachen der Erkrankungen ausgesagt wird. Die Diagnosesysteme beschreiben das Erscheinungsbild psychischer Erkrankungen und machen keine Aussage über die Ursache. Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD, engl.: International Statistical Classification of Diseases, Injuries and Causes of Death) ist das wichtigste, weltweit anerkannte Diagnoseklassifikations- und Verschlüsselungssystem. In Deutschland sind die an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Ärzte und ärztlich geleiteten Einrichtungen dazu verpflichtet, Diagnosen nach ICD-10 zu verschlüsseln.

Psychopharmaka

Medikamente bilden einen wichtigen Baustein im Gesamtbehandlungsplan. Während medikamentöse Therapien bei körperlichen Erkrankungen relativ hohe Akzeptanz finden, ist die Haltung gegenüber Psychopharmaka deutlich kritischer. Doch die Medikamente haben zu Unrecht einen schlechten Ruf. Bestimmte Krankheitsbilder werden durch Psychopharmaka erst behandelbar, indem sie eine Basis für eine psychotherapeutische Behandlung und weitere Behand-lungen wie Soziotherapie schaffen. Wie alle Medikamente haben auch Psychopharmaka Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln. Zudem darf nicht einseitig auf eine medikamentöse Therapie gesetzt werden: Entscheidend ist vielmehr, dass diese Teil eines Gesamt-Behandlungsplans bildet, der auch psychotherapeutische und weitere therapeutische Schritte beinhaltet.

 

Dies sind längst nicht alle Werkzeuge des Psychiaters. Mehr Werkzeuge haben wir in Teil 2 zusammengestellt. Noch mehr Informationen zu Diagnostik und Therapie psychischer Erkrankungen sind auf dem Portal www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org zu finden.